Ein Lösungversuch gegen den Ladetarifdschungel

ladepreise

Dies ist mein erster Beitrag zum Thema E-Mobilität und hoffentlich nicht mein Letzter. Seit ungefähr einem Jahr befasse ich mich jetzt intensiver mit diesem Thema. Ein Grund wieso ich die E-Mobilität zu meinem Hobby gemacht habe ist, weil es etwas aufzubauen gibt und ich als Programmierer meinen Teil dazu beitragen kann. Ähnlich wie bei Windows Phone damals, aber das ist eine andere Geschichte 😉 . Außerdem werke ich gerne an kleineren Projekten neben meiner Arbeit bei Runtastic.

Nun war es eigentlich schon überfällig ein neues „Side Project“ zu starten, aber ich wollte nichts erzwingen. Da unser Hyundai Kona Elektro in den nächsten Wochen kommt, habe ich mich einmal umgeschaut, welche Ladetarife es so gibt. Seit letztem Jahr war die Maingau Ladekarte quasi der Superstar unter den Tarifen: 5 Cent pro Minute, auch am Schnelllader. Wow! Da braucht man sich ja gar nicht großartig weiter umzuschauen. Nun, als dann der Umstieg auf das neue Tarifmodell angekündigt wurde, hat sich das schlagartig – vor allem für mich als Österreicher – geändert. 40 cent pro kwh! Auf einmal zahlt sich umschauen doch wieder aus. Und daraus hat sich das folgende Projekt ergeben…

Das Problem

Man findet relativ schnell Ladetarife, doch die Tarifmodelle sind manchmal relativ komplex. Nehmen wir gleich den neuen Tarif von Maingau: In Deutschland 25c/kwh, in Österreich 40c/kwh, für Stromkunden von Maingau ist es mit 15c/kwh relativ günstig. Dann gibts ab einer gewissen Zeit eine Blockiergebühr, welche in Minuten abgerechnet wird, wobei zwischen AC und DC unterschieden wird. Grundsätzlich ok. Dann schaut man sich den nächsten Tarif an: Energie Steiermark. Entweder man nimmt eine Flatrate (mit verschiedenen Optionen bzw. Rabatten für Energie Steiermark Kunden) oder den Tarif ohne Grundgebühr. Bei Letzterem sind die Preise gestaffelt nach Ladegeschwindigkeit der Säule. Abgerechnet wird dabei gänzlich in Minuten. Weiter bei Smatrics sieht es ähnlich aus, jedoch gibt es günstigere Preise für Autos die nur einphasig laden können, cool! Wenn man nun dachte man hat alle Kombinationen gesehen, war man noch nicht bei der EMC-Ladekarte. Es ist super, dass man mit dieser Ladekarte in verschiedenen Ladenetzen laden kann, jedoch hat man pro Ladenetz wieder unterschiedliche Preisstrukturen. Einige Anbieter wie Plugsurfing haben überhaupt pro Ladestation unterschiedliche Preise.

Im Gegensatz zu Tankstellen, wo es einen fixen Preis pro Treibstoff gibt, können bei E-Ladestationen meist viele verschiedene Ladekarten zum Freischalten einer Station benutzt werden. Dabei kommen dann auch die Tarife der entsprechenden Anbieter der Ladekarten zum Einsatz und nicht ein einheitlicher Tarif pro Ladestation. Dadurch kann es zu extremen Preisunterschieden kommen: So kann man entweder nur 2 Euro für eine Ladung zahlen oder auch 30 Euro. Daher gibt es den günstigsten Preis herauszufinden! Durch die vorher beschriebenen verschiedenen Tarifmodelle gestaltet sich das jedoch sehr schwierig.

Die Lösung

Ich habe nun versucht dieses Problem durch ein kleines Vergleichsportal zu lösen, welches wie folgt funktioniert:

  1. Geplante Ladedauer + Ladeenergie wählen
  2. Eine Ladestation auf der Karte auswählen

Fertig! Nun werden die Ladekosten pro Tarif aufsteigend angezeigt. Ihr könnt es direkt unter https://www.plugchecker.com ausprobieren!
Die angezeigten Preise sollen natürlich als Richtwert betrachtet werden und nicht als rechtlich bindender Endpreis 😉

Die Daten der Ladestationen bzw. welcher Tarif an welcher Ladestation unterstützt wird kommen von GoingElectric.de. Die Tarife habe ich dann händisch von den Seiten der Betreiber zusammengesucht.

Aktuell sind folgende Ladetarifanbieter eingebaut:

  • ELLA
  • EnBW
  • Energie Steiermark
  • Linz AG
  • Maingau Energie
  • Smatrics
  • Tesla Supercharging
  • Wien Energie
  • Plugsurfing
  • New Motion
  • Telekom Ladestrom

Das Projekt ist übrigens Open Source und die Daten können gerne für andere Projekte verwendet werden.

Wie geht es weiter?

Da ich erst seit ca. einem Monat daran arbeite und derzeit noch kein E-Auto habe, weiß ich leider noch nicht wie gut es in der Praxis einzusetzen ist. Daher würde ich mich sehr über Feedback freuen! Dieses Feedback entscheidet wie es mit dem Projekt weitergeht! Immerhin baue ich es ja für alle E-Mobilisten und nicht für mich selbst :)

Je nachdem wie viel Nachfrage besteht, würde ich folgende Features einbauen:

  • Bearbeitungsbereich: Hier hat dann jeder die Möglichkeit neue Ladetariffe oder Änderungen einzutragen. Dadurch würde das Projekt natürlich viel besser skalieren :)
  • Nur Preise von eigenen Ladekarten anzeigen
  • Unterstützung für Spezialpreise, wenn man Kunde eines Anbieters ist (z.B. Maingau, Energie Steiermark)
  • Email wenn ein Betreiber die Preise ändert bzw. an einer Ladestation eine günstigere Ladekarte dazukommt
  • und das Non plus ultra Feature: Man gibt ein wo man wohnt bzw. unterwegs ist + welches Auto man hat und der Service schlägt einem die besten und günstigsten Ladekarten vor

Falls euch ein Feature nicht gefällt, ihr etwas vermisst, die Website auf deinem Gerät falsch dargestellt wird, falsche Preise angezeigt werden oder eure Lieblingsladekarte nicht dabei ist, einfach kommentieren oder mir direkt eine Email schicken!

Gehe zu Plugchecker!

  • Rasworschegg Klaus

    Danke, super geile Idee, weiß gar nicht warum es so was nicht schon längst am Markt ist. Wenn ich mir was wünschen dürfte.
    Fahrzeug Auswahl so wie GE oder eCalc von Thomas Müller, und wenn’s so halbwegs rund läuft eine APP. Für Feedback, Beta Test usw. Stehe ich dir sehr gerne zur Verfügung.

    • Niklas

      Danke!
      Ich weiß, dass man die Energie selbst eingeben muss ist nicht optimal, aber für den Beginn die Beste Lösung. Die Fahrzeugauswahl wäre super, aber da die Ladegeschwindigkeit vor allem am Schnelllader von Temperatur und Ladekurve abhängig ist, weiß ich nicht wie gut das funktionieren würde. Aber definitiv ein Versuch wert!
      Obs so schnell eine App geben wird ist fraglich.. Ist die Website so schlimm?

  • Monja Hösl

    Hab zwar kein E-Auto, aber ich finde es trotzdem cool. Ich freue mich schon darauf, endlich mit einem E-Auto mitfahren zu dürfen :).

  • Andreas H.

    Ich habe meinen e-Niro erst seit 10 Tagen und war schon am verzweifeln als ich versucht habe eine etwas längere Strecke zu planen. Der Tarifdschungel ist Wahnsinn und es war mir nahezu unmöglich die Tarife herauszufinden.
    Deine Lösung ist toll und genau das was ich mir vor kurzem gewunschen habe. Ich würde gerne mithelfen wenn Bedarf besteht!

  • Jürgen

    Sehr schönes Projekt, vielen Dank.
    Kannst du noch BEW (für innogy) mit aufnehmen.
    Und bitte zwischen 10 und 25 kwh noch eine Stufe einfügen.

  • Püringer Franz

    Hallo Niklas,
    guter Ansatz, die Daten dürften, zumindest in Wien, passen. Schön wäre eine Möglichkeit der Übernahme ins NAVI. Für eine Vorausplanung reicht der Desktop oder das Handy, aber unterwegs ist das Navi interessanter.
    Danke für deine Mühe!
    LG aus Wien vom Puerzi (E-Golf)

  • Benedikt

    Genial, genau sowas hat noch gefehlt!
    Gerne mehr davon, App brauche ich nicht unbedingt die Mobile Webseite funktioniert gut, mehr Funktionen > „echte“ App.
    Gleich ein Vorschlag, Dropdow Menü für Zeit und kWh ersetzen/erweitern um feinere Eingaben möglich zu machen.
    Vielen Dank!
    Gruß
    Benedikt

  • Torsten Wanke

    Das ist ein super Projekt. Bislang musste man mühsam schauen, ob man mit seinen Karten freischalten kann und dann hat man selbst verglichen, welche Karte man einsetzt.
    Problematisch finde ich insgesamt die Vielzahl der verschiedenen Anwendungen.

  • Martin

    Ich finde das wirklich toll. Im Moment gibt es ja noch ein paar Sonderangebote, aber die werden sicher über kurz oder lang verschwinden, da wird so eine Anwendung noch wichtiger. Eine App wäre halt nicht schlecht, weil am Smartphone einfacher zu bedienen als ein Browser.
    Eine oder besser Zwischenstufen beim Ladestrom zwischen 10 und 25 kWh wäre praktisch, also 15 und 20 kWh.
    Vielen Dank für Deine Mühe!

    • Niklas

      Die Website ist optimiert für das Smartphone. Das sollte schon gut funktionieren.

      • Martin

        Das stimmt, die Webseite funktioniert auch auf dem Smartphone ganz gut. Lediglich die Eingabe von Dezimalzahlen z.B. für die Ladezeit funktioniert nicht, weil die numerische Tastatur die aufpopt nur Dezimalpunkte zuläßt, aber die Eingabe von Kommata erwartet wird.
        Vielleicht wäre es hilfreich die Ladezeit nicht in Stunden, sondern in Minuten einzugeben.
        Die Eingabe des Ladesteckers hat keine Auswirkungen auf den Preis. Z.B. bei EnBW ist der AC-Tarif immer 10 ct/kWh günstiger als der DC-Tarif. Aber egal welchen Stecker ich auswähle, es wird immer der AC-Tarif angezeigt.

        • Niklas

          Die richtige Eingabe von Zahlen sollte normalerweise vom Browser richtig behandelt werden. Kannst dir mir einen Screenshot von der Eingabe bei dir an nik.hoesl@hotmail.com schicken? Bei mir auf Android + Chrome funktioniert es ganz gut mit dem Komma.

          Zum Ladestecker-Problem: Danke! Habe den Fehler gefunden und behoben!

          • Martin

            Danke für die Korrektur!
            Das mit dem Dezimalkomma ist dann vielleicht ein Problem mit meinem Samsung. Die numerische Tatstatur bietet mir sowohl im Firefox, als auch im Chrome kein Dezimalkomma, sondern nur Punkt an. Leiedr kann ich, wenn die Tastatur aktiv ist keinen Screenshot machen.


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