Österreich: Ladetarife diskriminieren viele E-Autos

Eines Vorweg: Die E-Mobilität ist die Zukunft und schon heute für so gut wie jeden möglich. Unsere Energieversorger müssen nur manchmal darauf hingewiesen werden, dass man es den Kunden noch etwas einfacher machen kann 😉

Bis vor kurzem war ich mit meiner Ladesituation sehr glücklich: Öffentliche Ladestation fast direkt vor der Haustür, immer frei und das alles mit dem günstigen Flatrate-Tarif der Energie Steiermark (330€ pro Jahr). Mir ist und war übrigens bewusst, das ich keinen ähnlich günstigen Tarif mehr finden werde (bei 2000 kWh Verbrauch pro Jahr sind das 0.16€/kWh). Diese Flatrate ist wirklich top, wenn man hauptsächlich öffentlich lädt.

Da mein Hyundai Kona – wie sehr viele andere E-Autos auf Österreichs Straßen – nur 1-phasig an AC-Ladestationen laden kann, heißt das, dass ich bei meiner 11 kW Station nur mit 3,7 kW laden kann. So benötige ich oft die ganze Nacht um den Akku wieder voll zu bringen. Ca. 1x die Woche stecke ich das Auto um ca. 19 Uhr an und am nächsten Morgen ist es dann in der Regel voll. Ich lade bewusst nur in der Nacht, damit die Station am Tag nicht blockiert ist. In der Nacht wird selten jemand um 3 Uhr früh auf die Idee kommen, sein Auto mal kurz für 3 Stunden anstecken zu wollen. So kommt ein Ladevorgang schnell auf 12 Stunden. Das hört sich lange an, doch es stört niemanden: Weder mich (ich schlafe ja), noch braucht jemand anderen die Station. Soweit so gut.

Ende des günstigen Ladens

Jetzt hat die Energie Steiermark ihre Tarife mit Ende 2019 umgestellt (ich kann meine Flatrate noch bis Ende Dezember nutzen): Abgesehen davon, dass sie etwas teurer geworden sind – was verständlich ist – gibt es jetzt eine Einschränkung: Ab vier Stunden laden an einer AC-Ladestation fallen ab nun 10 Cent „Parkgebühr“ an. Solche Gebühren tauchen in letzter Zeit vermehrt auch bei anderen Anbietern an (z.B. Maingau). Die Idee ist grundsätzlich ok: Man soll nicht den ganzen Tag an der Ladestation „parken“ (z.B. wenn das Auto schon längst voll ist). Leider gilt diese Gebühr auch in der Nacht. Ab Dezember würde mir dann mit dieser neuen Flatrate eine Ladung ca. 57€ Kosten (bei ca. 50 kWh sind das 1,14€/kWh). Zusätzlich dazu kommen dann noch 43,5€ Grundgebühr pro Monat! Jährlich wären das dann ca. 2500€ im Vergleich zu den 330€ aktuell. Interessant dabei ist auch, dass die Energie Steiermark zusätzlich einen Tarif ohne monatliche Grundgebühr anbietet, wo man pro Minute 0,04€ an einer 11 kW Station bezahlt. Ohne Parkgebühr. Dadurch wären es pro kWh nur ca. 0.65€ und jährlich „nur“ ca. 1100€.

Teure Zeit-basierte Abrechnung, anstatt per kWh

Nun ist das normalerweise kein Problem, da ja an einer Ladestation mit vielen Roamingtarifen geladen werden kann. So listet unser Ladepreisrechner Chargeprice hier über 25 verschiedene Tarife: Man gibt sein Auto ein und findet dann die günstigsten Tarif für sein Ladeverhalten. Wenn man jedoch 1-phasig an AC ladende Autos wie den Hyundai Kona, Ioniq, Kia Niro, Nissan Leaf, VW E-Golf, Jaguar i-Pace, BMW i3 und viele weitere auswählt, sieht man, dass die Auswahl an günstigen Tarifen sehr dünn wird: Die allermeisten BEÖ Tarife (alle Landesenergieversorger in Österreich) rechnen noch per Zeit, anstatt per kWh ab. Das heißt ein teurer Tesla oder Audi e-tron, welcher mit 11 kW lädt (und daher schneller voll sind) zahlt für die gleiche Energiemenge nur ein Drittel oder noch weniger als die oben genannten Fahrzeuge: 11€ (Tesla) im Vergleich zu 32€ (Hyundai Kona) bei 50 kWh. Teurere Autos mit entsprechend besserer Ladetechnik werden hier nicht nur ein bisschen, sondern extrem bevorzugt. Solange es sich in einem Rahmen halten würde, wäre es kein Problem. Aber 300% Unterschied ist dann doch sehr viel.

Daneben gibt es zum Glück einige – vor allem Deutsche – Roaming-Tarife, welche schon fairer per kWh abrechnen. Wie oben beschrieben steigen diese Tarife jedoch mehr und mehr auf das Hybrid-Model mit Zeitstrafen um. Maingau hat die 4-Stunden Regel letztes Jahr eingeführt. Nun bleibt nur noch EnBW mobility+ mit einem reinen kWh-Tarif für alle 1-phasigen Autos über. Wer weiß wie lange noch?

Offensichtlich werden Ladetarife schon auf neuere, schneller ladende E-Fahrzeuge „optimiert“, dabei aber die Pioniere welche schon jetzt E-Autos besitzen, einfach ignoriert.

Es wäre ganz einfach

Dabei wäre es so einfach: Alle AC-Ladesäulen sind bereits Eichrechts-konform und könnten einfachst per kWh abgerechnet werden. Man will aber bei der Energie Steiermark die Tarife erst umstellen, wenn alle DC-Stationen auch einen konformen kWh-Zählen eingebaut haben. Was noch Zeit und Geld kostet. Die „Parkgebühr“ könnte man – rein technisch – jetzt schon in der Nacht nicht verrechnen bzw. stark verringern. Jedoch ist „nicht genügend Nachfrage vorhanden“.

Wo ein Wille, da auch ein Weg. EnBW hat es bereits verstanden. Vorerst geht mein Geld daher nach Deutschland anstatt zum lokalen Anbieter.

Über Chargeprice

Wir bei Chargeprice sehen E-Mobilität als Zukunft und helfen mit unserem kostenlosen Ladetarifrechner www.chargeprice.app jedem E-Autofahrer den optimalen Tarif zu finden. Als Pioniere in diesem Berech wollen wir Preistransparenz, Einfachheit der Bedienung und Fairness der Abrechnungsarten an Ladesäulen fördern.

  • Franz

    Die Diskussion zur Verrechnung ist so alt wie die Emobilität.
    Hier ein paar Gedanken aus Sicht eines österreichischen Betreibers dazu
    1) Eine Ladestation hat bei der üblichen Direktmessung einen normalen Energieliefervertrag. Das heißt, der Betreiber zahlt ein 18ct/kWh. Bei deinem bisherigen Tarif zahlt der Betreiber drauf. Dass das mit Beschaffung, Abschreibung über 8 Jahre, Netzzutrittsgebühr und Wartung nicht rentabel ist, ist offensichtlich 🙂
    2) In Österreich gibt es noch keine Eichrechtskonformität vergleichbar mit Deutschland. Sogar genau das Gegenteilige ist der Fall. Wir (Betreiber) dürfen nach österreichischem Eichrecht nach Zeit, aber nicht nach kWh verrechnen. Jeder, welcher Gegenteiliges tut, steht mit einem Fuß im Kriminal.
    3) sollte das BEV (Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen) endlich mal in Schwung kommen, müssen wir alle bestehenden Stationen austauschen oder (falls überhaupt möglich) umrüsten und einzeln durch BEV-Beamte abnehmen lassen.
    4) Natürlich ist eine Zeitkomponenten notwendig: weder der Betreiber noch der Elektromobilist möchte einen Plug-In Hybrid sieben Tage am Schnelllader haben. Knifflig wird die Frage, wie transparent diese Mischtarife zum Kunden transportierbar sind
    5) was die EnBW macht ist zwar ausgesprochen cool und kundenfreundlich, aber genau genommen nicht legal: sie nehmen ungeeichte Werte (welche unverbindlich und informativ übertragen werden) und verrechnen diese den Kunden. Theoretisch könnte somit jeder Wert übertragen werden. Wir fragen uns immer, was passiert, wenn wir negative Werte übertragen – ob dann die EnBW anfängt, Gutschriften zu verteilen … 😉

    Derzeit ist leider die derzeit einzige, in Österreich legale und faire Lösung, einen guten Mix aus AC-Stationen (für dreiphasige Lader) und DC-Stationen für einphasige Lader zu errichten. Und diesen mit einem Zeittarif zu verrechnen

    • Sebastian

      Siehe anderer Kommentar

    • Niklas

      1) Das ist mir bewusst, dass der Betreiber bei diesem Tarif aber einer gewissen Menge draufzahlt. Ist aber sicher schon eingerechnet. Und wenn er etwas teurer wäre hätte ich nichts dagegen.
      2-5) Ich lese hier nur Gründe warum es NICHT funktioniert. Warum fragt man sich nicht: Wie lösen wir das Problem? da-emobil, ella, sogar IONITY (wenn auch sehr teuer) rechnen schon per kWh ab! Wenn der BEÖ das auch wirklich will, wäre es sicher schaffbar!

      • Franz

        @Niklas: Die Intention meines Posts war zu erklären, warum derzei keine (faire) kWh Abrechnung möglich ist. Hier setzt der Gesetzgeber enge und unmissverständliche Schranken: „Zeit geht, kWh nur geeicht – bei letzterem gibt es aber noch keine in Österreich gültige Regelung“ – darauf wies ich auch in Punkt 5 hin.
        Natürlich arbeiten in Österreich genügend Organisationen und Gremien an einer Lösung, kWh-Verrechnung legal zu ermöglichen. Nur ist Gesetzgebung (meinetwegen ausserhalb der Corona-Gesetze) eine langwierige Sache.

        Vor zwei für uns alle unangenehme Fakten darf ich aber schon warnen:
        1.) die jetzigen Ladestationen müssen getauscht werden (die Wallboxen), bzw. aufgerüstet werden. Das kostet ein Vermögen.
        2.) egal ob kWh oder Zeit oder eine Mischung aus beidem: die Kosten des Betreibers sind diesselben – sie werden nur anders aufgeschlüsselt. Und somit werden die kWh-Kosten entsprechend hoch ausfallen. Da war Ionity nur der Anfang. Ob diese Kosten nun der Konsument, der Betreiber oder ein Fördergeber trägt, wird die Zeit weisen (mir wäre letzterer am liebsten).

  • Sebastian

    @Franz
    Nun ja, es wäre aber auch auf Zeitbasis möglich, etwas fairer zu agieren. Klar ist es ärgerlich, dass es überhaupt Einphasenlader gibt, aber man kann oder könnte es sich zumindest die letzten Jahre noch nicht aussuchen. So wäre es ja möglich a la Smartrics einen Einphasentarif anzubieten, oder die Phasenauslastung erkennen. Jetzt ist es ja absurderweise besser, die Ladestation via Schuko noch länger zu blockieren, als über Typ2 mit zumindest 3,7kW, weil man nur so an den Einphasentarif kommt. (EVN z.B.) Der Parkplatz bleibt noch länger besetzt und alle zahlen drauf. Für Einphasenlader nur 50% zu verrechnen, wäre denke ich eine faire Sache und käme der kWh Abrechnung schon sehr nahe. Dann noch keine Parkgebühr von 22 bis 6:00 und man hat ein faires Modell.


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