Sveti Ilija: Vom Meer auf den Berg
Sveti Ilija von Orebić

Meistens geht man als bewanderter Österreicher über die Berge zum Meer. Doch wenn man schon im Urlaub ist, darf es auch einmal die andere Richtung sein. Und selten drängt sich ein Berg so auf erklommen zu werden, wie der 961 Meter hohe Sveti Ilija auf der Halbinsel Pelješac in Süddalmatien. Auch wenn die meisten im Urlaub lieber entspannen, wird die Mühe mit einem kitschigen Panorama, speziell über die Inseln um Korčula, belohnt.

Im Vergleich zu den Gipfeln der Alpen ist er natürlich nicht sehr hoch, jedoch startet man direkt an der Küste und das heiße Klima sollte nicht unterschätzt werden. Im Hochsommer muss man schon sehr früh losgehen, auch wenn man dafür wahrscheinlich das Frühstück im Hotel auslassen muss oder im Optimalfall zum Frühstück schon wieder im Tal ist. Bei uns hatte es Anfang September zum Glück nur mehr 25°, wodurch wir keinen Stress hatten früh aufbrechen zu müssen und uns so vor dem Abmarsch noch stärken konnten. Für mich ist es die erste Wanderung mit Kniestrumpf, hoffentlich das Heilmittel für meine Knieschmerzen beim Wandern seit unserem Gewaltmarsch im Juni.

Von unserem Basislager, dem Aminess Grand Azur Hotel westlich von Orebić, folgen wir anfangs der Küstenpromende ins Ortszentrum. Nach 15 Minuten biegt man links auf die Gasse zur Kirche ab und geht dann 20 Minuten leicht ansteigend immer geradeaus bis ans Ende der Straße, wo der Wanderweg mit einer Informationstafel (ab hier 2,5h zum Gipfel) startet. Hier befindet sich übrigens auch ein kleiner Parkplatz, aber zu Fuß vom Hotel ist die Runde für uns sowieso perfekt.

Nach nur wenigen Minuten durch den Wald lichtet sich dieser und eröffnet das erste Panorama über die Stadt und die umliegende Küsten- und Inselwelt. Der Weg dreht sich immer mehr um den Berg herum, in ein von der Küste nicht sichtbares Tal, welches bewaldet ist und uns fortan Schatten spendet. Nun beginnt der Weg auch merklich steiler zu werden. Irgendwo müssen die insgesamt 1000 Höhenmeter schließlich herkommen.

Der Weg durch den Wald hinauf ist relativ unspektakulär und ohne Aussicht, jedoch wird man auf ca. 800 m mit dem ersten richtigen Tiefblick auf die Altstadt von Korčula belohnt. Bald erreicht man dann auch das erste Plateau wo es wieder leicht bergab geht. Hier haben wir die Markierung leider etwas aus den Augen verloren, sind dann aber nach einigen Minuten bei der unbewirtschafteten Hütte „Planinarski dom Sveti Ilija“ wieder auf den richtigen Weg zurückgekommen.

Nach weiteren 20 Minuten und 150 Höhenmetern erreichten wir schlussendlich den Gipfel mit seinem für österreichische Verhältnisse doch eher kleinen Gipfelkreuz. Das unglaubliche Panorama lässt einen allerdings darüber hinwegsehen: Vom Festland über die Inseln Hvar, Vis und Lastovo sieht man bis zu der kleinen Inselgruppe Palagruža und angeblich an klaren Tagen bis Italien (was ich jedoch etwas bezweifle). Geht man dann noch einige Schritte vom Gipfelkreuz Richtung Süd-Osten kommen die Inseln um die Altstadt von Korčula besser ins Blickfeld und lassen karibischen Flair aufkommen: Blauer Himmel, türkises Meer und grüne Inseln.

Inseln um Korčula vom Gipfel

Am Abstieg trennt sich der Weg bei der Hütte vom Hinweg und verläuft leicht fallend im Wald Richtung Westen. Neben dem Weg informieren immer wieder Tafeln über die umliegende Fauna und Flora, u.a. dass es hier heroben wilde Pferde gibt!

Nach 40 Minuten biegen wir an einer Weggebelung Richtung Orebić ab. Ab hier beginnt sich der Weg aus dem Wald hinaus auf die vegetationsarme Südseite des Berges zu drehen. Dafür wird die Aussicht wieder fotogener.

Gospa od Anđela

Die Mittagshitze brennt nun Richtung herunter. Im Schatten mögen es 25° sein, in der prallen Sonne brutzeln wir trotzdem dahin. Meter für Meter geht es bergab, bis man bei einem Weingut zurück auf die Straße kommt. Nun noch an der pittoresken Kirche „Gospa od Anđela“ vorbei und die letzten 150 Höhenmeter bergab, bis wir fast direkt wieder bei unserem Hotel angekommen sind.

Das Knie hat gehalten und zum Mittagessen haben wir es auch noch rechtzeitig geschafft. Den Nachmittag am Strand dürfen wir heute etwas mehr als die anderen Gäste genießen, während ich immer wieder einen Blick zurück nach oben werfe.


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